Lee Slonimsky, Verliebte Pythagoras
BEOBACHTEN, TAG UND NACHT
Er sieht, wie zwei Möwen sich in die Sonne schwingen,
als folgten sie ihr in eine Sphäre jenseits des Sehens,
und fragt sich, was die Zahl Zwei bedeute, ob sie bloß
doppelt Eins sei, oder bereits eine neue Welt. Später,
am Abend, zieht ein Dreigespann von Gänsen über das
Firmament, ein pfeilförmiger Traum gen Westen, und
er denkt an Dreiecke, an das Gleichmaß des Seins,
während die Nacht den Himmel reinigt. Vier Weiden
weinen am alten Steinzaun, auf dem er ruht, der
Himmel ist nun tief und klar; in ihm wächst das
Sehnen, jenen verborgenen Sinn der Zahlen zu finden,
der die Erde und den Geist verbindet. Vielleicht, so
hofft er, liegt die Teilung von dreizehn durch sieben
hinter jener Tür aus Sternen, die den Himmel selbst
verschließt.
Lee Slonimsky ist ein amerikanischer Dichter, der dem Schutz der Tiere höchste Bedeutung beimisst. Sein erstes Buch über das Leben von Pythagoras, Der verliebte Pythagoras (Pythagoras in Love), erschien 2020 beim Verlag Enypnio in griechischer Übersetzung von Stamatis Polenakis. Beim selben Verlag erschien auch sein Buch Pythagoras und die Tiere in der Übersetzung von Katerina Mardakioupi und Stamatis Polenakis. Seine neueste Gedichtsammlung ist Bright Yellow Buzz (2022). Lee ist außerdem für das Archiv des amerikanischen Dichters Daniel Hoffman (Poet Laureate, 1973–1974) in der Library of Congress der Vereinigten Staaten verantwortlich.
Seine große Liebe zu Griechenland, das er mehrfach besucht hat, erbte er von seiner Mutter. Er hielt einen Vortrag an der Akademie von Athen und las seine Gedichte auf der Internationalen Buchmesse von Thessaloniki (2021) sowie im Athens Center (2013–2019). Das Gedicht „Der Fluss“, das in dem Buch Der verliebte Pythagoras enthalten ist, wurde von der Band Mod. Lunar vertont.